Clas

von Ramm

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Clas von RAMM

Familienchronik

von Ramm

Auszüge aus dem Braunen – und dem roten Buch

Anläßlich des Familientreffens am 29.-30.3.1980.

Erinnerungen aus Padis – Kloster und Wallküll


Eine Zusammenstellung von Auszügen aus Niederschriften aus den vergangenen 3 Jahrhunderten anlässlich des Familientreffens am

29.03.-30.März 1980

Die Familienchronik -  das Braune Buch, das 1460 begonnen wurde und das rote Buch , in dem seit 1725 geschrieben wurde -  ist trotz Flucht aus dem Osten und Katastrophe des Kriegsendes 1945 gerettet worden.

Auch die Niederschriften des letzten Besitzers von Padis -  Kloster, Clas von Ramm (1864 – 1920), sowie Erinnerungen von einigen Familienmitgliedern, die Ende des 19. Jahrhunderts lebten, sind vorhanden und vermitteln den Eindruck über die Lebensweise in vergangenen Zeiten in Estland.

Am Anfang dieser Zusammenstellung sollen einige Zeilen aus dem  Buch „Schweden und seine Provinzen Estland und Livland in Ihrem gegenseitigem Verhältnis 1561 – 1710“(1+) stehen, die über Thomas von Ramm (gestorben ung zur Verfügung und wurden für ihre Verdienste in den schwedischen Adelstand erhoben. =

Die Weiteren Auszüge entstammten Texten aus der Familienchronik.

(1+) Harry Thomsen „Schweden und seine Provinzen Estland und Livland in ihrem gegenseitigen Verhältnis 1561 – 1710“ Seite 118 – 121

Clas von Ramm (gestorben 1684), Sohn des Thomas von Ramm, hat die ersten Eintragungen über seine Hochzeit  mit Sophie Elisabeth von Lieven und die Geburt seiner Kinder gemacht. Ausserdem notiert er: Die erste Pest ist gewesen Anno 1656 im Augusto bis in Jahr 1658 Jahr gedauert.

Anno 1684 ist der gantze Thum in Revall verbrandt .........

Dessen Sohn Berend Otto von Ramm (1641 – 1708)  hat ausführlicher über sein bewegtes Leben berichtet. Dort heisst es : Weill aber anfangs Ich eine Declination zum Hof-Leben bey Mir verspürte, habe ich auch darnach getrachtet, da ich den bald im 17 Jahr meines Alters Anno 1658 mit Ihrer Hochgräflichen Excellence Magnus Gabriel de la Gardie für Hof – Junker reisete, und den selben Herbst in Denemarck und zwar in Seeland glücklich arrivierte.......

Anno 1660 nach dem Frieden Schluß reisete ich mit Ihrer Hochgräflichen Excellence nach Stockholm, und weill überall Frieden war, trug ich Verlangen, mich weiter in der Welt umb zu sehen, wes fals ich denn meine Reise aus Stockholm Anno 1661 nach Teutschland, und so durch Holland und Brabant führte, bis ich im späten Herbst in Paris gesund anländete.

Hieselbst brachte ich 5 Jahre zu, in allerhand Rittermäßigen Exercitiis bis ich nach erlangter Perfection derselben wieder meine Rückreise nahm auf Engelandt, Holland, Denemarck und also Stockholm mit Gesundheit erreichte.

Anno 1666 begab ich mich in mein Vaterland meine liebe Eltern zu besuchen, welche weill ich sie bey guter Gesundheit nebst allen lieben Angehörigen angetroffen, ich bald wiederumb verlassen musste, und weill ich eine Beforderung bey Gott und Ihr.Maytt. alle mahl gesichert, also reisete Anno 1667 wieder nach Stockholm, woselbst mein Glück zu machen schien, in dehm dass Ihr. Hochgräflichen Exell. mich bey Hof zu recommendieren gar gütig sich erbothen; allein da ich eine andere Gelegenheit mein Fortün zu machen, erkannte ich zwar dieses Hochgräflichen Erbithen mit dankbahrem Herzen, begab mich aber unter das Westerbottensche Regiment, welches damahls der Herr Obrister Schwinhufwut commendierete, und machte mich verdient zum Lieutenant, wie meine Vollmacht weißt. Im selbigen Jahr avancierte ich zum Capitain über die Osterbottenschen unter des Herrn Gustav Horn Regiment und commendirte selbigen Compagnie durch Gottes Gnade, mit meines Obristen großem Vergnügen gantze 5 Jahr.

Da nun Anno 1675 der Krieg zwischen denen Cronen Schweden und Denemarck einfiel, begab, ich mich als Volunteur auf die schwedische Flotte, weill wir aber Sturm und bösen Herbst Wetters wegen nichts ausrichten kunten, kamen wir wieder im November in Stockholm. Im selbigen Winter reisete ich mit dem Herrn General Otto Wilhelm Fersen zu der Armee in Norwegen, wo selbst Ihr. Maytt. Mit der Armee befindlich war, welche mir die Stelle eines General Adjutanten D´ Infanterie, wie meine Vollmacht lautete, allergnädigst auftrugen..............

Anno 1667 ward Ich auf meines gnädigsten Königs Ordre unter Commando des Herrn General Majoren Mortainyac beneben 4 Brigaden neben deren gantzer Artollerie nach Schonen commandieret, da denn der General Mayor mit den bey sich habenden Brigaden voraus marchierte, mir aber die Artollerie zu führen überließ. Allein da ich bey Halmstadt kam, boht mir das Unglück die Hand, und belegte mich mit einem hitzigen Fleckenfieber, welches mir 2 Monath lang dermaßen nahe am Hertzen graste, dass ich mich, meines Lebens zu verziehen, und aus dem Lande der Lebendigen mit dem Tode hinwegzueilen, meine unfehlbare Rechnung machen musste, auch dahero mir zum Leichen – Text folgende Worte aus dem 7.Cap. des Creutz – Büchleins Hiobs erwehlete. Muß nicht der Mensch immer im Streit seyn, dass seine Arbeit aus sey.

Aber es gefiel dem großen Gott, die Tage meiner mühseeligen Wallfahrt zu verlängern, in dehm er mich zu meiner vorigen Gesundheit verhalf, und mir so viel Kraft und Gnade verlieh, dass, ob ich gleich den gantzen Sommer solche Krankheit noch in den Gliedern fühlte, Ich dennoch meine Dienste verrichten können, so dass ich auch der Schlacht bey Halmstadt bey wohnete, welcher war der 17.Augusti 1667.

D. 4. Decemb. selbiges Jahres war ich in der großen Schlacht bey London welche umb. 9. Uhr Abends, da der Mondt aufging sich endete.

Anno 1677 d. 26. January machte der König mich zum Obrist Lieutenant über der verwittweten Königin Leib – Regiment, unter dem Commando des Herrn Obrist Ribbing. Da nun die Truppen damahls im Winter – Quartier giengen, und dasselbe Regiment in Garnison in Gottenburg lag, musste ich auf meiner lieben Eltern vielfältiges Verlangen, von Ihr. Maytt. Beurlaubung suchen, nach Liefland zu reisen, und weill der Friede gleich darauf folgete, also resolvierte mich auf inständiges Zurathen meiner lieben Eltern und Anverwandten , zu dem Stande der heyligen Ehe und hielt Anno 1679 d. 4. Juny meinen hochzeitlichen Ehrentag auf der großen Gildstube in Revall mit der weyland Hoch Edelgeb. Groß Ehr und viel Tugend belobten Jungfer Christina Elisabeth Strasburg.

In solcher Ehe haben wir durch Gottes Gnade beyderseits in ungefärbter Liebe, beleibter Eintracht , und aller ersinnligen Vergnüglichkeit beglückt gelebte 7 Jahr,, und mit ein ander 4.Kinder gezeugtet, als 3.Söhne und eine Tochter. Es musste aber auch endlich dieser Mir eine Zeitlang vergnügter Ehestand, in einem harten Wehe- ja gar Wittwenstand verwandelt werden, in dem der fromme Gott, nicht nur einen Sohn und eine Tochter zu sich in sein Freuden – Reich abgefordert, und durch solchen zweifachen Hertzens – Riß nicht geringes Leydt erweckt, sondern es gefiel Ihm endlich auch, annoch frische und kaum verschmerzte Wunden wieder auf zureißen, und noch größere zu machen, in dehm Er meine nun mehro seel.Ehe – Liebste durch den zeitlichen Todt von meiner Seite riß, und mir in der That erfahren ließ, was dort dem Propheten ?, Ich will dir deiner Augen – Lust nehmen. Da er mir dieselbe d. 28. January des 1686 Jahres nahm, dass ich als einsamer, hochbetrübter Wittwer nebst zwei Söhnen, als Mutterlosen Waysen, durch den Hertz schneidenden Todesfall, in ein kummervolles Leydt musste versetzt werden. Wie aber ein Unglück nicht gerne allein bleibet, sondern dem anderen die Handt zu bieten pfleget, also war es Mir nicht genug, dass ich zum Theill Kinder- und Ehelos worden, ich musste auch durch die damahls vor sich gehende Reduction Haus und Güter los werden, welches zwar mehr durch heimbliche Nachstellung derer, von welchen ich es Mir nimmer vermuthet practiciret wurde, als dass ich ( obgleich nach meiner Seel. Frau Todt ich fast wenig Lust zur Wirtschaft und Haushaltung hätte) solchen Poßeß sollte übertragen oder eingeräumt haben. Daher ich dann, nachdehm meine Seel. Frau begraben war, Anno 1687 nach Stockholm meiner Güter wegen reisete, musste aber durch meiner Verfolger Contraminirung wenig ausrichten. Nun Du Gott bist ein hertzen Kündiger, Du siehest wie ein Allwissender Herr, wie man mit Mir verfahren, Du weißt, wie man Mir mein Brodt mit Trähnen, und mein Tranck mit Galle zu vermischen gesuchet............

Nach Berend Otto von Ramm hat Reinhold von Ramm (1665 – 1755) über die Geburt und Taufe seiner Kinder mit Aufzählung der zahlreichen Taufzeugen im Braunen Buch geschrieben. Er war mit Gertrude von Aderkas verheiratet. Claß von Ramm (1864 – 1920) berichtet in seinen Lebenserinnerungen u. a. über Reinhold von Ramm folgende bemerkenswerte Geschichte :

= Reinhold erlebte dann 1710 die freiwillige Unterwerfung Estlands unter die russische Herrschaft, nachdem Schweden das Land verlaseen und aufgegeben hatte. In den Anfang dieser neuen Periode fällt die auch in weiten Kreisen bekannte Begebenheit, in der der noch heute in Padis aufbewahrte Stock des Zaren Peter der Große eine Rolle spielt. (Der Stock ist bei der Flucht 1945 abhanden gekommen.) .... Zu meines Großvaters Zeiten lebten noch Leute, die den alten Reinhold wohl gekannt haben und die sie von Ihm persönlich vernommen haben. Es verhielt sich also folgendermaßen : Peter der Große hatte mit scharfen Auge erkannt, dass der Hafen von Rogerwiek ( das heutige Baltischport ) sich ausnehmend und einzig gut für einen Kriegshafen eigne, Er ging mit dem Plan um, die Küste des Festlandes mit derjenigen der gegenüberliegenden Insel Klein Rogö durch eine Mole zu verbinden. Die Reste dieses damals angefangen Riesenwerkes sieht man noch heute und zwar sowohl an der Küste des Festlandes wie am Ufer von Rogö........ Peter der Große war in eigener Person erschienen, um das Fortschreiten seines geplanten Hafenbaues zu übersehen und sandte, da Klagen über mangelnde Ernährung zu ihm drangen, einen Beamten aus, um in der Umgebung Korn aufzukaufen. Dieser erschien auf dem größten in der Nähe liegenden Gutshofe, in Padis, und befahl, man möge ihm Korn verkaufen. Reinhold Ramm erwiederte ihm , seinem Kaiser verkaufe er nichts. Wenn es demselben genehm sei, so möge derselbe aus den für ihn jederzeit offen stehenden Schuppen und Scheunen zu entnehmen, wieviel er bedürfe. Dieses nun passte wiederum den Beamten nicht, denn schon damals waren die russischen Beamten darauf aus, bei derartigen Geschäften soviel wie möglich betrügerischerweise  in ihre Taschen fließen zu lassen. Da also hier nichts zu verdienen war, berichtete er kurzerhand dem Zaren, es sei zwar Korn vorhanden, der Besitzer aber weigere sich, es zu verkaufen. Peter der Große wähnte einen argen Rebellen wider sich zu haben und begab sich persönlich an den Wohnort desselben, fuhr ihn mit barscher Rede an und versetzte ihm einen Schlag mit seinem langen Rohrstock. Bald aber erklärte sich durch Vermittlung des Gefolges des Zaren das Missverständnis auf und Peter zögerte keinen Augenblick, sein Unrecht wieder gut zu machen : Er umarmte Reinhold und sagte ihm : Bitte dir eine Gnade aus, auf kaiserliche Parole ich werde sie erfüllen.-

Und da bat sich Reinhold Ramm den Stock des Zaren aus, mit dem er geschlagen worden war. =

Nach Reinhold von Ramm`s Eintragungen im Braunen Buch folgen diejenigen von Thomas von Ramm (1708 – 1787), der mit Hedwig Ulrika von Delwig verheiratet war. Auch dieser berichtet ausschließlich über die Geburt  seiner Kinder und zählt die Taufzeugen auf.

Die letzte Seite im Braunen Buch hat folgende Eintragung :

1754 January den 21. an einem Freytag um 4 Uhr, wurde meine Frau in Reval in meinem Haus von Ihrer ehelichen Bürde gnädigst entbunden, und wir mit einem Söhnleyn erfreut wurden. Daß Kind wurde darauf den 26. ejusdem an einem Mittwoch in der Ritter- und Dohm Kirche von dem Ober Pastor Tiedebell im Nahmen Gottes getauft, und erhielt den Namen

                                   W O L D E M A R   R E I N H O L D

Die Taufzeugen waren folgende :

1.Ihre Fürstliche Durchlaucht der Herr Gouverneur Prinz Woldemar

Dolgorucki

2. Ihre Exzellenz Herr General Major von Friederici

3. Herr Landrath Graf von Stenbock

4. Herr Landrath von Brümmern

5. Herr Obrist von Triesenhausen

6. Herr Major Üxküll von Güldenb.

7. Baron Magnus Tiesenhausen

8. Herr von Reutern

                        -----------------------------

1.      Princessè Parascowia von Dolgorucki

2.      Frau Generalin Sparreuter

3.      Landrähtin von Tiesenhausen von Kotz

4.      Frau Ritterschaftshauptmann von Ulrich

5.      Frau Lieut. von Tiesenhausen von Udenküll

6.      Frau Baronne von Tiesenhausen von Neuenhoff .

7.      Fräulein Louise von Knorring

Herr Rath Herman Haecks.

Herr Thomas von Ramm, der diese Eintragungen im Braunen Buch gemacht hat, begann auch das Rote Buch und zwar in Wichterpal, am 4. Juny Anno 1725.

Rückblickend berichtet er u. a.

= Anno 1725 den 28. January hat Ihro Czarische Maytt. unser aller gnädigster Kayser und Herr Petrus 1 – mus das Weltliche gesegnet. Sein Alter 52 Jahr 7 Monate und 29 Tage und die Kayserin Catharina ist zur Regierung ernennet........

Es folgen Absätze über die Huldigung, über die Begräbnis Predigt für Peter den Großen und über das Begrabnis in St. Petersburg. Dann heißt es :

=Anno 1727 den 6. May hat unser allergnädigster Kayserin das zeitliche gesegnet, und zwar an einem Schlag Fluß und ist am hujus begraben.

Der Groß Fürst ist zu der Regierung ernennet........

Anno 1728 den 25.February ist unser aller gnädigster Kayser und Herr Petrus II- dus grkröhnt worden und zwar in der Haupt Stadt Moscau.

Anno 1729     hat der höchste den jungen Monarchen, Petrum II- dum aus dieser Zeit in die Ewigkeit versetzt, und ist in Moscau begraben.

Anno 1729 den 14. Novembry ist meine sehr geliebte Schwester Anna Barbara Rammin,, auf Padis Kloster im Herrn entschlafen; Ihre Krankheit war ein hitziges Fieber, und hat sie nicht länger als 8 Tage zu Bett gelegen.

Anno 1730 wurde in des Gott seel. Kaysers, Petri II-di Stelle die verwittwete Herzogin von Curland, Anna Iwanowna zur Russischen Kayserin erwehlet, und ist darauf den 28.April, in der Residentz Stadt Moscau die Crönung, mit allen ersinnlichen Kayserlichem Ornat, Majestätischer Pracht und Pomp, jedoch in höchster Devotion und Andacht Ihrer Kayserlichen Majestät Hohen Persohn, in Moscau in der Cathedral Kirche, in Beysein vieler auswärtiger weit entlegenen Puissancen, Ambassadeurs, Envoièen, Residenten, Deputierten von allen Provinzen und Städten des Russischen Reiches etc. unter dem Geläute aller Klocken, Lösung der Canonen, Musqueten Salven, der Pauken, Trompeten Schall und vielen Tausenden zurufenden Vivat, zur jedermans Freude, Wonne und Frohlocken dero getreuer Unterthanen  des Russischen Reichs, glänzlich vollzogen........

Anno 1731 ist ein sehr harter und langer Winter gewesen, und über gantz Ehst - und Liefland ein großer Mangel an Heu und Vieh – Futter gewesen. Die See zwischen den Holm und hier hat Eis in den ersten Oster Tagen gantz fest gelegen, dass auch die Leute vom Holm am Stillen Freytag als den 16. April zu Fuss zur Kirche gegangen, bis es endlich am ersten Oster Fest und zwar unter der Predigt aufgegangen. Ostern hatten wir den 18. April. Die Kälte continuirte noch immer, und fiel den 29 et 30 April  viel Schnee, dass auch den 1 – sten May hier und da viel Schnee lag. Und der Osten Wind hielt fast 3 Wochen beständig an, bis es den 1 – sten May umschlug und wurde Nord West.

In diesem Jahr nahm Papa das Gut Waßalem wieder ein, nachdem es 12 Jahr in Arrendators Händen gewesen war, und hat er es nunmehr unter meine Disposition gegeben, Gott gebe dazu seinen Segen...

Anno 1732 den 12. January musste das hiesige Herzogthum auf hohen Befehl von Ihro Majestät Anna Joanowna, einem Succeßor in Gedanken huldigen........

Anno 1735 den 27 May war meine Copulation mit des Herrn Obristen Dellwigs Fräulein Tochter Hedwig Ulrica auf Groß Goldenbeck. Die Verlobung geschah den 1. Marty vorher in Revall. Berend Reinhold Dellwigs Copulation war auf einen Tag mit der meinigen.. Dieses Jahr ist so eine besondere Witterung gewesen, dass der Roggen den 1. July schon überall reif war.

Anno 1745 d. Decembre kurtz vor Weyhnachten, war meine Schwester Drutchen Copulation mit dem Capitain Tritthoff auf Wichterpal.

Anno 1747 den 2. Juny wurde meine Schwester Maria mit Herrn Lieut. B. von Mohrenschildt in Revall copuliert.

Anno 1747 den 16 Decembry ist mein sehr lieber Sohn Reinhold nach einer halb jährigen Krankheit, in einem alter von 10 ½ Jahr, sanft und seelig im Herrn entschlafen, und zwar in Revall in Herrn Sperbachs Hause. Um 6 Uhr in der Dom Kirche in der Rosen Kranz Capelle in unserer erb Begräbnis begraben und zwar von dem Herrn Ober Pastor Mickwitz.

Zum Ruhm schreibe ihm dieses zum Andenken. Er war nicht wie andere Kinder seines Alters, sondern gelassen, still, vernünftig, klug und die Hoffnung war da, dass er etwas besonderes in der Welt hätte prestieren können. Doch er ist  glücklich genug, er ruht in Gott, er hat überwunden. Das Andenken wird bey mir bis in mein Grab bleiben, mein Reinhold war etwas besonderes.

Anno 1746 den 9. July, Nachts um 12 Uhr kamen unsere allergnädigste und große Kayserin, Elisabeth Petrowna in Revall zur großen Freude aller getreuen Unterthanen, an, blieben allda 14 Tage, in währender Zeit Hochgedachte Majestet, nebst dero Princessin Gemahlen, eine Tour nach Rogerwiek thaten, undwaren daselbst 2 Tage.......

Anno 1755 den 7 – ten Aprill an einem Freytag morgens um 7 Uhr, ist mein sehr verehrter, Hochgeschätzter Herr Vater Reinhold von Ramm, Capitain, auf Wichterpal gantz sanft und seelig verschieden. Er war Anno 1665 den 14. July gebohren, hat also die Tage seines Lebens, bis auf 90 Jahren rühml. gebracht  und ist in der Dom Kirche in Revall in der Rosencranz Capelle,  in unser Erb Begräbnis begraben worden. Gott lasse ihn wohl ruhen. Er ist und war einer von den allerliebreichsten, gnädigen, guthätigen Vätern in der gantzen Welt.

Anno 1760 im Herbst hatte ich das Unglück, die große Mennikosche Riege durch Brand zu verlieren mit 200 Tonnen Korn, eine Last Malz und viele andere Sachen mehr.

Anno 1763 den 30 January verlor ich auf Padis Closter alle Vieh Ställe durch einen verwahrlosten Brand von dem Verwalter Schlag. Es verbrannte alles was drin war, ohne dass eine Maus gerettet,, noch 200 stück Rind  Vieh, 200 Schafe, 25 gute Pferde kurz alles, was auf dem Hofe war.

Am 20 – ten Mai trat ich eine schon früher projectierte  Reise insAusland an. In demselben Jahr war auch der Krim Krieg ausgebrochen und die Küste Estlands war stark von Militär besetzt. Vorzugsweise stand hier Cavallerie, Garde – Ulanen, Kosaken, Baschkieren, auch Infanterie und Artellerie, ebenfalls Garde – Regimenter. Man fürchtete eine Landung französischer und englischer Truppen. Eine bedeutende Flotten – Abteilung genannter Mächte lag den Sommer über vor Reval .......

Es ereignete sich jedoch nichts von Bedeutung. Das Jahr darauf starb Kaiser Nicolaus im Februar, und es bestieg der gegenwärtige Kaiser Alexander II den Thron.

Ein ganzes Jahr reiste ich im Ausland, und hielt mich im Sommer in Deutschland, den Herbst und den größten Theil des Winters  über in der Schweiz und Italien auf...

Im Januar des Jahres 1855 starb mein Bruder Karl, der in der Stadt Hapsal als Beamter des Zolles angestellt war. Er hinterließ eine Witwe und fünf Kinder, 3 Söhne und 2 Töchter. Auch sie haben Zuflucht und Obdach in Padis gefunden und besuchen gegenwärtig die Schule in Reval, wo meine älteste Schwester Charlotte und mein Bruder Nikolai sich der unmündigen in jeder Beziehung angenommen haben, wofür ihnen Gottes Lohn werde. Die Mutter mit den beiden Töchtern ist auf Wunsch ihrer Eltern inzwischen nach Russland ins Kursksche Gouverment gezogen...

Im Jahre 1856 am 8 – ten Februar kaufte ich das Gut Groß – Lechtigall im Martenschen Kirchspiel in der Wiek gelegen für die Summe von S.R. 83000 von dem H. Heinrich von Stryk, Erbherr von Siegnitz......... Durch die Gnade des Herrn habe ich jetzt eine neue Heimath im vollsten Maße gefunden, wenngleich es an Arbeit und mitunter Sorgen nicht gefehlt hat, wie es bei jeder grösseren Wirtschaft und einer namentlich ziemlich verwahrlosten wie diese, nicht ausbleiben konnte. Auch gegenwärtig sind große Schwierigkeiten zu überwinden und manche Opfer zu tragen bei dem Übergang von der Frohne zur Geldpacht, die jetzt allenthalben vom Landvolk beliebt wird....... Das soll die Möglichkeit zur Erwerbung von Landbesitz seitens der Esten durch Kauf anbahnen. Vor 2 Jahren ist im russischen Reich die Freiheit der Bauern proclamiert worden.

Die Emancipation derselben ist im vollen Gange. Zeit – und pflichtgemäß ist es daher auch, dass der Estländische Adel dahin wirkt und keine Opfer scheut der Landbevölkerung zum Besitz von Grund und Boden zu verhelfen........

In Landwirtschaftlicher Beziehung ist das Jahr des Herrn 1864 ein aussergewöhnliches zu nennen, vorzugsweise wenn man die Witterungsverhältnisse in Betracht zieht. Der Winter schneelos und ausnahmsweise mild, das Frühjahr kalt, die Vegetationsperiode eine verspätete; hierauf folgt ein warmer, feuchter Sommer, der der natürlichen Entwicklung  der Pflanzen im Allgemeinen und den Cerealien im Besonderen ungewöhnlich förderlich war und den Landmann zu den schönsten Ernteerfolgen ermuthigte und berechtigte. Die 2 – te Hälfte des Sommers zerstörte aber alle diese Hoffnungen. Während Amerika und der nord – westliche Theil Europas, vorzugsweise England, von einer unerhörten Dürre zu leiden haben, scheinen sich über Nord – Osten, mithin auch über unsere provinzen die feuchten Niederschläge zu konzentrieren. Seit der Mitte des Juli Monats durchziehen starke Gewitter unser Gebiet. Seit 6 Wochen regnet es mit seltenen aber auch nur localen Ausnahmen täglich. Ein Theil des Heus ist unbrauchbar geworden, Winter – sowohl wie Sommergetreide ist zum Theil noch ungeshnitten und geht in Fäulnis über oder wächst aus..... Das kann nicht nur Futtermangel, sondern was schlimmer ist auch Krankheiten und Vieh zur Folge haben...... Vorgenannte Befürchtungen so motiviert sie auch waren, sind nicht zur Wirklichkeit geworden, der Herr hat uns vor großer Calamität bewahrt..... Über das Jahr 1867 bin aber nicht im Stande Erfreuliches in climatischer Beziehung zu berichten. Auch dieses Jahr ist wiederum ein exceptionelles. Am 1- ten Juni ist ein großer Theil der Felder der Nässe wegen noch unbestellt. Selten stieg der Thermometer über 9 – 10°. Am 10 –ten Mai fußhoher Schnee, wiederholte sich am 15 – 18 – ten Mai mit Regen untermischt. Allenthalben große Futternoth, die Kornpreise ungewöhnlich hoch; große Überschwemmungen........ Ungewöhnliche Theuerrung;; die Last Roggen (15 Ts) mit 200 Rubel, die Last Gerste mit 180 – 200 Rubel bezahlt. Vorschüsse der Staatsregierung stürzen die wohlhanbensten Bauern in Schulden. In den ärmsten Classen Hungersnoth. NothstandsComitès eingerichtet......... Glückerlicherweise gab es gutes Viehfutter dieses Jahr und wenngleich auch spärlich, so ist doch keine Futternoth. Dieses Jahr soll auch der Bau der Eisenbahn von Baltischport nach Petersburg in Angriff genommen werden und gibt Aussicht auf momentanen Gelderwerb für die Armen, eröffnet aber gleichzeitig die Aussicht auf das Wiederaufblühen unserer commerziellen Zustände im Allgemeinen........ Jedenfalls bringt eine Eisenbahn Geld und Erwerb ins Land.

Nach Thomas von Ramm hat sein Neffe Clas von Ramm (1864 – 1920), der 1898 Padis übernahm, am 7. Juli 1895 die Eintragungen im Roten Buch fortgeführt.  Er hat ausserdem ausführliche Lebenserinnerungen in Form einer Familiengeschichte hinterlassen. Diese Familiengeschichte wurde an Hand von Dokumenten, die in Padis, Wichterpal und Reval vorlagen, aufgezeichnet. Auch mündliche Überlieferungen fanden Verwendung. Da die ursprünglichen Niederschriften am Ende des 1.Weltkrieges abhanden gekommen waren, wie auch alle Dokumente und Unterlagen des padisschen Archivs, sind diese Aufzeichnungen zum Teil aus dem Gedächtnis geshrieben worden. Im Roten Buch finden wir folgende Eintragung von Interesse:

= Eduard von Ramm starb 1884 Kinderlos und es entstand die Frage, in wessen Besitz das Familiengut übergehen sollte. Die seltene Einigkeit und ein ausgeprägter Edelsinn, welcher ein schöner Zug sämtlicher Geschwister des verstorbenen war, ließ es zu keinen Missverständnissen und abweichenden Meinung kommen und so trat denn nach abgelaufenem Wittwenjahr im Jahr 1885 Thomas das Gut Padis – Kloster für den Preis von 200 000 Rubel an.......

Thomas machte es sich zur Aufgabe, alles das zu erhalten, was Eduard geschaffen und aufgebaut, damit sein Sohn Thomas mit jungen Kräften einst die Arbeit fortsetzen könnte....... Leider war es diesem versagt die Arbeit von den Schultern seines Vaters zu nehmen, da ein ernstes Lungenleiden ihn nöthigte, Heilung in der Fremde zu suchen. Er begab sich 1890 dauernd nach Falkenstein im Taunus bei Frankfurt am Main, kehrte 1891 auf wenige Monate heim und reiste dann wieder dorthin zurück....... Thomas von Ramm , der Vater, starb im October 1894 in Reval im Hause von Ramm in der Raderstrasse ........ Mutter und Sohn traten Padis – Kloster an und übergaben die Bewirtschaftung desselben dem Baron Gustav Taube zu Rickholz ( Sohn von Woldemar Taube und Julie, geborene von Ramm).

... Im December 1895 wenige Tage vor dem Weihnachtsfest erlag Thomas von Ramm (geb. 1864), Herr auf Padis – Kloster, in Deutschland in dem Curort Falkenstein seinem langjährigen Lungenleiden.... Die Leiche wurde ins Land gebracht und im Frühjahr 1896 der heimatlichen Erde auf dem Friedhof zu St. Mathias übergeben. Er ruht neben seinem Vater ........

Im October 1896 verließ ich mit meiner Familie Wesenberg ( er war dort Notar seit 1891), hielt mich zuerst bei meinen Eltern in Wallküll, dann bei meinen Schwiegereltern in Haggud auf und bin jetzt in Padis, um meiner Tante Helene von Ramm ( geborene von Mohrenschildt) bei der Bewirtschaftung und Verwaltung des Gutes zu helfen, welches ich mit der Zeit antreten soll.......

Es erübrigt mir noch zu erwähnen, dass das Gut Wassalem, nachdem Peter von Ramm ( Sohn von Thomas Ernst, geb. 1783, gest. 1837) im Jahre 1876 starb, an einen Herrn Bousted verkauft wurde und sich gegenwärtig im Besitz der Frau Josephine von Baggehuvfud ( geborene Baroness Ungern – Sternberg aus dem Hause Newe) befindet, deren Sohn Eduard ( Ned ) von Baggehuvfud dasselbe bewirtschaftet. –

Die alte Hausgenossin Caroline Schneider, welche die ganze vorhergehende Generation hat aufwachsen sehn und dem Padisschen Hause 74 Jahre lang treu gedient hat, starb 1884 ( geboren  1791) und erhielt ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof zu St. Mathias, dort wo diejenigen, für welche sie gelebt hat, den ewigen Schlaf schlafen. –

Am 23. April 1898 habe ich, Clas Gustav Reinhold von Ramm unser altes Stammgut Padis – Kloster angetreten, indem mein Vater (Ernst von Ramm) dasselbe mir übergab. Mein Vater hat seinen Wohnsitz nicht hier gehabt, sondern hat in Wallküll gelebt. Da ihm aber Padis im vorigen Jahr 1897 in der Erbtheilung zufiel, und ihm die Bewirtschaftung zweier Güter zu viel war, übergab er mir das Gut....... Der Preis des Gutes wurde auf 180 000 Rubel bestimmt.

Am 1. Mai 1899 starb in Reval mein Großonkel ( Bruder meines Großvaters mütterlicherseits) der Generalmajor Jakob von Nasacken, geboren 1801, in seinem 98-sten Lebensjahr. Bis kurz vor seinem Tode war er verhältnismässig rüstig und gesund. Er hatte ein treffliches Gedächtnis für die ferne Vergangenheit und wusste manches Interessante aus alten Zeiten zu erzählen....... Er zeichnete sich 1825 im Dekabristen – Aufstand durch kaltblütige Tapferkeit und Umsicht aus, wodurch der Aufstand ins Stocken geriet. Kaiser Nicolaus I hat ihm diese That gedankt durch rasche Beförderung im Dienst und durch andere Auszeichnungen.......

20. October 1899. Ein schweres Jahr steht uns bevor. Es ist eine totale Missernte gewesen. Namentlich Sommerkorn und Kartoffeln sind in kaum nennbarer Qualität und Quantität eingebracht worden. Ein dürrer kalter Sommer und ein nasser, zum Theil warmer Herbst liegen hinter uns. Das wenige, was geerntet wurde, verdarb wegen der feuchten Witterung. Von 70 Vierlofstellen wurden alles in allem 1900 Tonnen Kartoffeln geerntet.

Nachdem endlich die Ernte geborgen war, wurde von böser Hand die Steinscheune an der Strasse angezündet und es verbrannten 140 Fuder Roggen und 40 Fuder Hafer. Nur das Gebäude war versichert. Das ist bereits der zweite Feuerschaden, welchen ich hier erlebe. Im vorigen Jahre entzündete der Blitz die große Bergriege an der Strasse. Es verbrannten 40 Fuder Gerste und 4000 Bund Stroh. Weder das Gebäude noch das Korn waren versichert. In diesem Sommer baute ich die Riege wieder auf.......

 Ende August 1901 kaufte ich auf der Auktion das Gut Kurks, welches an Padis angrenzt und welches in früheren Zeiten, als Wichterpal und Padis noch einherrig waren, zu diesen beiden Gütern gehörte.. Später ist Kurks durch Heirat nach Kreutzhof gekommen und wurde vor 11 Jahren von Reinhold von Mohrenschildt an einen Kaufcommis Kambeck verkauft, welcher banquerett wurde. Ich erstand das Gut, zu welchem noch ein schöner Heuschlag unter Wichterpal gehört (Merrikamets) für 60 000 Rubel.

Es ist dieses kein billiger Preis, doch hoffe ich die Zinsen herauszuwirtschaften, und das Gut als Beigut von Padis zukünftigen Generationen zu erhalten. Das Bauernpachtland von Padis habe ich verkauft, ebenso ein Stück Morast (Suursoo) von 500 Desjätin.. An stelle dieser verkauften Ländereien habe ich Kurks gekauft und will bestrebt sein, noch Land zu erwerben, sollte sich irgendwelche Gelegenheit in der Nachbarschaft bieten. Denn im Grundbesitze liegt und unsere Macht. Drum vergößere denselben, wer irgend kann.

Am 11. August 1904 starb auf dem Gut Wallküll mein Vater, Ernst Berend von Ramm (geboren den 5. December 1837) am Herzschlag. Am 15. August wurde er unter großer Beteiligung seiner Verwandten und Freunde auf dem Kirchhof zu Kusal beigestzt.....

Der Herbst des Jahres 1905 brachte über unser Land viel Schrecken und Trübsal.. Die Revolution, welche das ganze Reich in seinen Grundfesten erschütterte und zu vernichten drohte, hat in unseren baltischen Provinzen ganz besonders furchtbar und grauenerregend gewüthet- und warum? Weil die unselige Russifizirungspolitik, welche mit dem Regierungsantritt Kaiser Alexander III in unsinniger, gemeiner und blinder Weise einsetzte, im Laufe von 20 Jahren alles das zerstörte, was wir baltischen Deutsche durch jahrhundertelangen Fleiß mit Arbeit und Mühe geschaffen hatten – die Cultur ....... Um sich der Deutschen, deren Cultur der russischen Regierung ein Dorn im Auge war, besser zu erwehren und sich womöglich ganz derselben zu entledigen, ungeachtet dessen, dass diese stets die besten und layalsten Unterthanen dem Kaiser mit Leib und Leben treu ergeben waren, schritten die Regierungsinstitution dazu, die estnische Bevölkerung systematisch gegen die Deutschen zu hetzen....... Zwei Wochen lang gingen in Russland keine Eisenbahnzüge, wurden keine Telegramme, keine Post befördert. Alles streikte, so auch bei uns....... Den Höhepunkt erreichte der Aufstand um den 12. oder 13. December,, an welchen Tagen in Estland 100 Güter zu Theil demoliert wurden, zum Theil die Wohnhäuser und Brennereien von Räuberbanden, welche sich Revolutionäre nannten, angezündet und vernichtet wurden. Da die Gutsbesitzer schutzlos solchen Räuberbanden, welche in einer Stärke von 60 – 80 Mann häufig ihre Überfälle unternahmen, ausgesetzt waren, flohen die meisten schutzsuchend nach Reval.......- Unser altes, liebes Padis aber blieb durch Gottes Hilfe verschont.......

In den ersten Tagen des Juni 1910 ging die kaiserliche Yacht „Standart“ zwischen Klein Rogö, Baltischport und der Küste von Kurks vor Anker.

Sr. Majestät, der Kaiser mit  seiner Familie geruhten dortselbst einen längeren Aufenthalt zu seiner Erholung und namentlich zur Kräftigung der Gesundheit der Kaiserin zu nehmen....... Am 30. Juni war ich zur Audienz auf die Kaiserliche Yacht befohlen....... Der Kaiser erschien bald nach unserer Ankunft an Deck....... An mich wandte sich der Kaiser mit den Worten: „ Ich danke Ihnen für Ihre Gastfreundschaft, die Sie mir in den Ihren gehörigen Gewässern gewähren. Die schöne, reine Seeluft hat mir und der Kaiserin, welche sich bereits bedeutend wohler fühlt, gut gethan. Die Ihnen gehörigen Inseln haben wir oft zu angenehmen Spaziergängen benutzt“. Ich antwortete: „ Ich fühle mich glücklich Ew. Majestät in den Grenzen meiner Besitzungen sich wohl befinden zu wissen. Auch die Bevölkerung von Klein Rogö wird nie die Ehre vergessen, welche ihr durch den häufigen Besuch Ihrer Majestäten wurde....... Vor 200 Jahren war es der Kaiser Peter der Große, welcher den Stammsitz meiner Ahnen zu besuchen geruhte, - 100 Jahren war es meinem Großvater vergönnt, den Kaiser Alexander I in Padis zu begrüßen, - jetzt aber leben meine Familie und ich in der Hoffnung, Ew. Majestät werden uns die Ehre seines Besuches schenken!“ – Hierauf erwiderte de Kaiser: „Mein Aufenthalt hierselbst geht zu Ende, versprechen kann ich einen Besuch nicht. Doch werde ich Ihre freundliche Einladung im Gedächtnis behalten und wenn nicht dieses Mal, dann das nächste Mal derselben nachkommen.“ Die Kaiserin unterhielt sich mit uns in der deutschen Sprache. Sie reichte uns die Hand zum Kusse. Auch sie sagte mir, wie wohl ihr der Aufenthalt  an dieser Küste getan.. Sie wies auf den am Strand sichtbaren Turm der Kirche von St. Mathias und fragte mich, ob diese auch zu meinem Besitzungen gehöre. Ich antwortete, dass das Land, auf welchem die Kirche steht, einst von meinem Vorfahren geschenkt sei, das unser Erbbegräbnis aber dort auf erhöhtem Felsengrund liege.......

Nachdem wir 2 ½ Stunden auf dem gastlichen Schiffe geweilt hatten, brachte uns ein Motorboot wieder in den Hafen von Baltischport zurück.......

Am 20. November 1912 wurde ich vom Kreise Harrien zum Kreisdeputierten der estländischen Ritterschaft gewählt.-

Am 19. Juli 1914 begann durch die Kriegserklärung Deutschlands an Russland ein Krieg, der bald fast alle Staaten Europas mit sich zog.

Russland, England, Frankreich, Japan und Serbien auf der einen Seite, Deutschland und Österreich auf der anderen Seite. Es gibt wohl kaum ein Haus, eine Familie hier im Lande, welche nicht einen Angehörigen in diesem gewaltigen Kampf hat. -  Auch mein ältester Sohn, Hans-Jürgen,  ist mitgezogen, um dem Vaterlande seine junge Kraft zur Verfügung zu stellen. – Seit dem Juli 1913 diente er als Freiwilliger im Irkutsk`schen Hausregiment in Riga, wurde im Juli 1914 Offizier und ist mit seinem Regiment bald bis vor Königsberg gezogen, hat sich durch Tapferkeit und Umsicht schon mehrere Auszeichnungen erworben. Hat mit den übrigen Truppen Ostpreussen wieder verlassen müssen und Kämpfft eben in Polen.......

Am 1. October 1916 mußte auch mein zweiter Sohn, Thomas, als Freiwilliger ins Feld ziehen.... Zwei blühende Söhne in einem aussichtslosen Kampfe, im Kampfe gegen unsere Stammesbrüder! – Das ist hart!...

Kloster – Padis , am 18. April 1919.

Seit ich die letzten Worte schrieb, hat sich unendlich vieles ereignet:

Aufruhr und Brand, Mord und Raub, Blut und Schrecken, Elend und Hunger, Hoffnung und Trübsal. Unser kleines Heimatland hat in dieser kurzen Spanne Zeit mehr durchlebt und durchlitten, mehr Veränderungen und Wechsel gesehen, als zusammen in den letzten beiden Jahrhunderten.

Von Russlands Räuberregierung wurden wir befreit und Deutschlands heldenhafte von Sieg zu Sieg stürmenden Kriegsscharen zogen in unser land, und die Hoffnung, fast die Gewissheit, auf immer mit unserem Mutterlande vereinigt zu sein und endlich wieder ein Vaterland zu haben, setzte sich in uns fest- und ward dann zunichte. – Und wieder sind wir kleines Häuflein Deutschbalten, ist unser Heimatland, der Grund und Boden, auf dem wir aufwuchsen, der unser Väter und Vorfahren 700 Jahre lang ernährt, ein Spielball in den Händen zuchtloser, wüster Verbrecher und Räuber, welche vorgeben eine demokratische Republik zu gründen, - eine Republik „Eesti“....... Doch ich will die Ereignisse kurz erwähnen:.... Die Entthronung und Gefangennahme des Kaisers Nicolaus und seiner Familie, die Erklärung Russlands zu einer demokratischen Republik, an deren Spitze unter anderen Phantasten der so traurig berühmte trat, ein Mann, der viel und schön redet, aber sich im übrigen als vollkommen unfähig erwies, - ein Russe, wie er typischer nicht auftreten kann. – Der März 1917, welcher diese große Veränderung hervorbrachte, wird auch uns immer in schrecklicher Erinnerung bleiben.

Als eines der ersten Opfer eines sinnlosen Volkshaufens, der durch Matrosen aufgehetzt war, fiel mein ältester Schwager, der Dr. Gottfried von Krusenstiern, der Stadthaupt von Hapsal war und als solcher sich um dieses Städtchen große Verdienste erworben hatte, indem er auf der Strasse erschossen und nierdergemacht wurde....... Mitte Januar 1918 erreichten diese Zustände ihren Höhepunkt. Fast in jedes Haus der Stadt (Reval) drangen bewaffnete, furchtbar anzusehende Individuen ein, bei Tag und bei Nacht....... Auch ich wurde Ende Januar in einer Nacht zusammen mit meinem Schwiegersohn Claus Nottbeck abgeführt in ein Gefängnis, wo wir aber in Einzelhaft gehalten wurden. Durch verschiedene günstige Umstände gelang es, meine Überführung aus dem Gefängnis in eine Klinik, wo ich als Erkrankter aufgenommen wurde, zu bewerkstelligen....... 500 bis 600 unserer Bekannten und Verwandten wurden über Petersburg nach Sibirien verschleppt........ Uns aber schlug nun die Befreiungsstunde. Am 25. Februar 1918 zogen bei hellem Sonnenschein die Heldensöhne Deutschlands in Reval ein. Es ist schwer die Freude und den Jubel zu schildern, der uns alle erfasste, als wir nach all den Schreckenszeiten diese unsere Befreier und Brüder begrüßen durften.

........ Es ließ sich alles so glückverheißend, so zukunftsfreudig an, - und sollte doch so ganz anders kommen. Dem Deutschen geht leider die Fähigkeit ab, sich leicht in ihm fremde Verhältnisse einzuleben und dieselben richtig zu beurteilen. So beurteilten denn auch die bei uns eingezogenen deutschen Autoritäten unsere Verhältnisse durchaus falsch und ließen sich ungern oder gar nicht belehren....... Statt hier im äußersten Nordostwinkel, wohin die deutschen Siegerschaaren gedrungen waren, womöglich ihr bestes und zuverlässigstes Soldaten- und Beamtenmaterial zu stellen – sie bedurften zur Pacifizierung des Landes und zur Einführung geordneter Verhältnisse in demselben nur eine unbedeutende Anzahl derselben – Schickten sie mit die unbrauchbarsten Leute hierher, die sie hatten. Zu denen gehörte fraglos auch der Kommandierende  der Truppen, der General von Seckendorff....... Er betrieb noch ehe er dazu den klaren Befehl hatte, den Aufbruch der Truppen, die Ende November – Anfang December das Land verließen... So war denn unsere Hoffnung auf eine Zukunft unter Deutschlands mächtigen Szepter dahin...

Von Osten drangen die tierischen Mörder und Räuberbanden ins Land, alles hinschlachtend, was deutsch war oder nach einem gebildeten Menschen aussah....... Bis auf 30 Werst vor Reval drang der Feind von der Narowa her kommend vor, überall, namentlich in Wesenberg und Dorpat die unmenschlichsten Greultaten verübend. – Und ganz Estland schien verloren. Da erschienen 5 englische Kriegsschiffe auf der Reede von Reval, die bloß durch ihre Anwesenheit allein und durch eine kurze Attacke auf ein aus Kronstadt auf Reval steuerndes Maximalistenschiff ( Bezeichnung für Bolschewicken) , der mehr als gefährlichen Lage eine andere Wendung gaben.......

....... Mein Sohn Hans – Jürgen, von Estland abgeschnitten, trat in Kurland in die Baltische Landeswehr ein, welche als sogenannte Stoßtruppe, verstärkt durch Truppen aus Deutschland daselbst gegen die Maximalisten kämpfte...... . Mein Sohn Thomas trat mit als erster in das sich formierende Baltenbatallion und stand bald den aus Osten herandrängenden bolschewistischen Feinden an der Narowa gegenüber....... Anfang Januar 1918 wurde mein Vetter Gustav Taube auf seinem Gute Rickholz von russischen Soldaten ermordet. Am 19. April wurde mein Neffe Hans Benckendorff auf seinem Hofe Jendel meuchlings erschossen. - - Das Menschenbewusstsein und das Rechtsbewußtsein ist aus dem Volke vollkommen geschwunden.

In dieser Umgebung und unter solchen Verhältnissen müssen wir leben und weiterarbeiten ! Kloster Padis, den 24. IV 1919. ==

Die weiteren Eintragungen sind von Thomas von Ramm (1896 – 1945) 

= Der Weltkrieg war zu Ende – Deutschland war niedergezwungen und dem Hass und dem kritiklosen Rachedurst der „ Siegermächte“ ohnmächtig preisgegeben. Alles was in der Welt deutsch war, musste dieses Schicksal teilen.......

Im Zuge der nun unabwendbar gewordenen Enteignung des Großgrundbesitzes wurde unser alter, seit 300 Jahren in der Familie befindlicher Stammsitz Padis am 1. Mai 1920 mit als erstes Gut vom Estnischen Staate übernommen. Mir – Thomas – wurde als Teilnehmer am „Freiheitskriege“, als auch noch Verwunderter, eine abgelegene Parzelle von 39 ha ( der ehemalige Pferdekoppel mit einem  Stückchen Acker, dem „ Vanakörtsupöld“, ein Stückchen Wald an der Einfahrt und etwas Wiese am Fluß) überlassen, während das Herrenhaus, der Volksschule, der alte schöne Garten und Park, dem Gärtner und das übrige Gutszentrum  dem Regierungsförster und anderen „verdienten“ Männern abgetreten wurde....... Die sogenannte „gerechte Entschädigung“ ergab für Padis eine Summe von ca. 2300. – Kronen, während der factische Wert nach Abzug der  Belastungen etwa 250.000 Rubel oder nach estnischer Währung 500.000 Kronen hätte lauten müssen........

Mein Vater Clas Gustav Reinhold von Ramm sah sich genötigt das Land zu verlassen und zunächst in Deutschland, später im neugegründeten Freistaat Danzig eine Zuflucht zu suchen. In der Absicht meines Vaters lag es sich mit der Zeit, nach entsprechender Umschau, in Deutschland Grundbesitz zu erwerben....... Das Schicksal hatte es anders gewollt.

Noch ehe es zu der geplanten Sesshaftmachung in Deutschland kam, ereilte ihn in Danzig am 14. Dezember 1920 der Tod.......

Ich hatte mich am 30. August 1921 mit Alice von Middendorff, geb. 18.okt. 1898, Tochter des in Rival wohnenden und weit über die Grenzen unserer Heimat bekannten Augenarztes Max von Middendorff aus dem Hause Hellenorm und Pörafer in Livland und seiner Frau Ellen, geb. Guillemot von Villebois, verlobt, fand als Verwalter auf dem Karl von Rennenkampf gehörigen Gute Wack bei Ass eine vorläufige Anstellung und heiratete am 23. Juni 1922, nachdem ich die mir verbliebenen Landparzelle in Padis einem früheren Knechte verpachtet hatte…..

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Mein Vater Thomas von Ramm hat von 1926 bis 1939 eine Anstellung im Handeslhause Hans Dietrich Schmidt in Pernau gehabt. Dort sind meine Schwestern Ursula, Christa und Andrea und ich in die Schule gegangen.

Der 2. Weltkrieg begann am 8. Dezember 1939. Wir Deutschen aus dem Baltikum wurden Ende 1939 nach Deutschland in die Ostgebiete = Danzig-Westpreußen und Wartheland = umgesiedelt und mussten unsere angestammte Heimat verlassen.

Am Ende des 2. Weltkrieges ist mein Vater bei der Katastrophe des Rückzuges umgekommen. Meine Mutter war bereits am 27. Januar 1943 gestorben und wurde in Piontek im Kreise Lentschütz begraben.

Der 2. Weltkrieg ist vor 35 Jahren zu Ende gegangen und Deutschland als besiegtes Land musste damals die seit Jahrhunderten von Deutschen bewohnten und zu Deutschland gehörenden Gebiete östlich der Oder räumen. Was sich 27 Jahre zuvor am Ende des 1. Weltkrieges im Baltikum abgespielt hatte, wiederholte sich in unvorstellbarer grausamer Weise in diesen deutschen Gebieten. Menschen, Millionen, mussten mit der nötigsten Habe nach westen fliehen. Sehr viele kamen bei der ungewöhnlich starken winterlichen Kälte 1945 durch Erfrieren um. Andere Starben durch Feindeinwirkung, d.h. Bomenangriffe, z.B. in Dresden, oder durch die russische rote Armee, die die Flüchtlingsströme überrollten.

Die 700 jährige Geschichte des deutschen Ostens = West- und Ostpreußen, Schlesien, Sudetenland und natürlich in den deutschen Siedlungsgebieten auf dem Balkan = Banat, Siebenbürgen u.a., und in Russland = Wolgadeutsche, Bessarabien, Wolynien u.a., war zuende gegangen.

Wir Überlebende haben die geschichtliche Aufgabe die Erinnerung an das Land unserer Vorfahren und Väter aufrecht zu erhalten. Wir haben hier in Westdeutschland durch die rasche Entwicklung der Technik bedingt, Lebensmöglichkeiten gefunden, die uns materiell ein akzeptables Dasein gewährleisten. Das Land hier ist uns zur neuen Heimat geworden. Hier können und wollen wir aber weiterhin unsere Eigenarten bewahren, die uns aus der Herkunft aus einem Lande resultieren, aus dem heraus unsere Väter und Vorväter in starkem Maße die Geschichte in Jahrhunderten geprägt haben.

                                                           Rückblick und Ausblick

Beim Lesen dieser Eintragungen unserer Vorfahren erhalten wir Kenntnis über Begebenheiten, die diese Menschen besonders bewegten und auch über Faktoren, die deren Leben beeinträchtigten. Sie alle lebten in einem festen Gottvertrauen und in der Hoffnung, dass die von Katastrophen, wie Seuchen, Krankheiten, Hunger, Feuer und Krieg verschont blieben.

Im 17. und 18. Jahrhundert waren Seuchen wie die Pest, Pocken, Fleckfieber, dann Missernten und dadurch Hungersnöte, Feuersbrünste und Kriege = bis 1710 Raubzüge der Russen und dementsprechend die Bedeutung des Militärdienstes, entscheidende Faktoren. Im 19. Jahrhundert trat statt der Pest und Pocken, verstärkt die Schwindsucht (Lungentuberkulose) und Typhus auf, während Missernten durch ungünstige Witterung, sowie Feuerschäden die Menschen auch vor 100 Jahren noch in Schrecken versetzten.

Eine große Bedeutung hatten in diesen Zeiten die Herrscher, Könige und Kaiser. Was diese taten und wann Sie Estland besuchten wurde erörtert und kommentiert.

Im 20. Jahrhundert ist die alte gutsherrliche Zeit mit ihrem durch Jahrhunderte gefestigten gesellschaftlichen Gefüge nach dem 1. Weltkrieg zuende gegangen. Die sozialen Unterschiede – Gutsherr – Untergebener sind in Europa nicht mehr vorhanden.  Eine Industriegesellschaft hat sich gebildet, in der frühere Werte in den Hintergrund gedrängt worden sind. Außerdem hat die Natur ihre in früheren Zeiten stark empfunden unheimlichen Komponenten verloren. Seuchen und Hungersnöte sind in Europa nicht mehr vorstellbar. Denn neuzeitliche Methoden in der Medizin haben Epedimien und Krankheiten ihre Schrecken, die sie in früheren Zeiten begleiteten, verloren. Die Landwirtschaft hat einen Perfektionsgrad erreicht, der eine gesicherte Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln in den westlichen Ländern sicherstellt. Die moderne Technik ermöglicht dem einzelnen Menschen in Europa einen Komfort, der die kühnsten Träume früherer Zeiten übertrifft. Mit der Technik ist der heutige Mensch in der Lage die Natur in einem frevelhaften Maße auszubeuten. Wenn der notwendige Lebensraum durch harte Arbeit von der Natur abgerungen werden musste, so ist jetzt mit dem unvorstellbaren Wachstum der Bevölkerung kaum mehr unberührte Natur übrig geblieben.

Dahingegen wird unser jetziges Leben durch die Beziehungslosigkeit der Menschen untereinander und damit  durch das Auseinanderfallen der menschlichen Gesellschaft in den westlichen Ländern geprägt. Der nüchtern denkende Mensch unserer Zeit hat sich vom religiös beeinflussten verhalten der vergangenen Epoche distanziert. Die Technik und der allgemeine Wohlstand führen uns einer Ausweglosigkeit entgegen.

CLAS VON RAMM

Im März 1980

 


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Weitere Anmerkungen:
Wir kennen Vihterpalu im engeren Sinne als Dorf in der Gemeinde Padise in der Nähe der Mündung des Flusses Vihterpalu, im breiteren Sinne als eine Reihe von Küstendörfern, die bis 1939 zur Gemeinde Vihterpalu gehörten und von den Einwohnern schwedischer Herkunft besiedelt wurden. Die ursprünglichen estnischen Namen der Dörfer Alliklepa, Uugla, Valgmaa, Kurkse und Pedase weisen darauf hin, dass sie vor der Besiedlung mit den Einwohnern schwedischer Herkunft ewentuell estnische Dörfer waren oder man hat sie von den Esten als Gemeinschaftsfläche benutzt.

Im Laufe des 1558 angefangenen Livländischen Krieges eroberten die Truppen des schwedischen Königs Nordestland. Die früheren Klostergebiete, darunter auch die Dörfer von Vihterpalu wurden Eigentum der schwedischen Krone. 1622 schenkte der König Gustav Adolf der II das Gut Padise Thomas von Ramm, der vom König auch die hiesigen Strandgebiete kaufte und hier das neue Gut Vihterpalu gründete. Zum Gut Vihterpalu wurden auch Nebengüter für Viehzucht in Tamse und Pedase angelegt. Das erste Gut befand sich im Südosten und das zweite im Osten auf dem schönen Küstengebiet.

Der Besitzer der Güter, Familie von Ramm, hat die Sommermonate immer in Vihterpalu verbracht, wiel die hiesigen Sandstrände und Kiefernwälder an der Küste einen erholsamen Sommerurlaub angeboten haben. Solche sommerliche Erholungsmöglichkeiten wurden oft auch den Adligen anderer Güter angeboten, die keine Grundstücke an der Küste besassen.

Laut den gemachten Analysen gehören das Wasser des Küstenmeeres und die Luft von Pedase zu den saubersten an der Ostsee. Es ist höchstwahrscheinlich von der geographischen Lage bedingt.